"Raum K - Karlsruhe und Region", Mai 2003
< Georg Raab in der Poly-Produzentengalerie >
Ja, alles wird gut. Aber Georg Raab thematisiert auch das Böse beziehungsweise - wie wir seit einiger Zeit wissen - dessen (...) "Achse". Dennoch ist das, was ab Freitag, den 9. Mai von dem Kölner Künstler, der eigentlich aus Karlsruhe kommt, in der Poly - Produzentengalerie zu sehen sein wird, mehr als beliebiger Anti - Amerikanismus. Und das, obwohl einer der zentralen Impulse für "Lücken" der 11. September 2001 war. Schön, könnte man jetzt sagen, haben wir schon tausendmal gehört. Man weiß ja inzwischen, wie so was aussieht: ein Laudator, der irgendwas von der künstlerischen Verarbeitung politischer Themen erzählt, vorzugsweise immer noch sichtlich betroffene Vernissage-Gäste, die das Wort Terror - aus Protest - schon seit Wochen nicht mehr benutzen und möglichst identifikationspotentialkonzentrierte (!) Bilder, die nur einen Schluß zulassen: es geht auch ohne.
Dass aber der gleiche Ausgangspunkt nicht immer gleich latent wenigsagend sein muß, zeigen die neuen Arbeiten von Georg Raab, deren Untertitel "Der Zufall ist das Ziel der Willkür" zwar ernst gemeint ist, aber mitnichten so genommen werden muß. Auch bei einem Thema wie "Krieg, Gewalt und deren Auswirkungen" (O-Ton des Künstlers) bleibt nicht vorinterpretierter Raum, und der ist bei Georg Raab Programm.
Die "Lücken" in seinen Arbeiten sind der fehlende Text oder die fehlenden klaren Umrisse oder die fast aufgelöste Umgebung: die Serie "Attraktionen" zeigt vom Fernsehbildschirm abfotografierte Sehenswürdigkeiten aus Reisevideos, die von Texten überlagert werden. Nicht irgendwelche Texte, sondern RAF-Schriften, Auszüge aus Kommandoerklärungen, Zellenzirkularen, persönlichen Erklärungen von Mitgliedern der sogenannten "Ersten Generation" der RAF, wie Baader, Meinhof, Ennslin, Raspe, Meins. Sie stehen in Georg Raabs Arbeiten exemplarisch für (jegliche) Ideologie, die monokausal denkt und nicht argumentiert, sondern Realitäten schafft, ohne zu erklären, sie stehen für eine fragwürdige Zeit, in der Kriegführen zunehmend als "notwendiges Übel" gesehen wird angesichts von "skrupellosem Terrorismus" und "Schurkenstaaten".
Politische Schlagzeilen mit Gemeinplatz-Potential hat Georg Raab bei seinen Recherchen endlos gefunden, aber auch einen Weg, sich nicht mit ihnen zufrieden zu geben. Gangbar ist der auf jeden Fall, ob er auch sehenswert ist, werden letztendlich die Besucher der Poly - Produzentengalerie in der Viktoriastrasse entscheiden.
(...) Die "Stele" ist die grösste Arbeit seiner "Lücken" - Ausstellung, in der jedes - selbstverständlich lückenhafte - Wort exemplarisch steht. Für was? Hingehen und rausfinden: um 19.30 Uhr am 9. Mai beginnt die Vernissage.
[Eva-Maria Weilemann]
< Georg Raab in der Poly-Produzentengalerie >
Ja, alles wird gut. Aber Georg Raab thematisiert auch das Böse beziehungsweise - wie wir seit einiger Zeit wissen - dessen (...) "Achse". Dennoch ist das, was ab Freitag, den 9. Mai von dem Kölner Künstler, der eigentlich aus Karlsruhe kommt, in der Poly - Produzentengalerie zu sehen sein wird, mehr als beliebiger Anti - Amerikanismus. Und das, obwohl einer der zentralen Impulse für "Lücken" der 11. September 2001 war. Schön, könnte man jetzt sagen, haben wir schon tausendmal gehört. Man weiß ja inzwischen, wie so was aussieht: ein Laudator, der irgendwas von der künstlerischen Verarbeitung politischer Themen erzählt, vorzugsweise immer noch sichtlich betroffene Vernissage-Gäste, die das Wort Terror - aus Protest - schon seit Wochen nicht mehr benutzen und möglichst identifikationspotentialkonzentrierte (!) Bilder, die nur einen Schluß zulassen: es geht auch ohne.
Dass aber der gleiche Ausgangspunkt nicht immer gleich latent wenigsagend sein muß, zeigen die neuen Arbeiten von Georg Raab, deren Untertitel "Der Zufall ist das Ziel der Willkür" zwar ernst gemeint ist, aber mitnichten so genommen werden muß. Auch bei einem Thema wie "Krieg, Gewalt und deren Auswirkungen" (O-Ton des Künstlers) bleibt nicht vorinterpretierter Raum, und der ist bei Georg Raab Programm.
Die "Lücken" in seinen Arbeiten sind der fehlende Text oder die fehlenden klaren Umrisse oder die fast aufgelöste Umgebung: die Serie "Attraktionen" zeigt vom Fernsehbildschirm abfotografierte Sehenswürdigkeiten aus Reisevideos, die von Texten überlagert werden. Nicht irgendwelche Texte, sondern RAF-Schriften, Auszüge aus Kommandoerklärungen, Zellenzirkularen, persönlichen Erklärungen von Mitgliedern der sogenannten "Ersten Generation" der RAF, wie Baader, Meinhof, Ennslin, Raspe, Meins. Sie stehen in Georg Raabs Arbeiten exemplarisch für (jegliche) Ideologie, die monokausal denkt und nicht argumentiert, sondern Realitäten schafft, ohne zu erklären, sie stehen für eine fragwürdige Zeit, in der Kriegführen zunehmend als "notwendiges Übel" gesehen wird angesichts von "skrupellosem Terrorismus" und "Schurkenstaaten".
Politische Schlagzeilen mit Gemeinplatz-Potential hat Georg Raab bei seinen Recherchen endlos gefunden, aber auch einen Weg, sich nicht mit ihnen zufrieden zu geben. Gangbar ist der auf jeden Fall, ob er auch sehenswert ist, werden letztendlich die Besucher der Poly - Produzentengalerie in der Viktoriastrasse entscheiden.
(...) Die "Stele" ist die grösste Arbeit seiner "Lücken" - Ausstellung, in der jedes - selbstverständlich lückenhafte - Wort exemplarisch steht. Für was? Hingehen und rausfinden: um 19.30 Uhr am 9. Mai beginnt die Vernissage.
[Eva-Maria Weilemann]


